Landesstelle Pflegende Angehörige
Montag, 29. Jan 2016

Schriftgröße: kleiner normal größer

 
 
 

Beruf und Pflege miteinander vereinbaren - nicht immer ganz leicht!

Sie wollen als Angehörige oder Angehöriger gerne selber die Pflege übernehmen und wissen aber nicht, wie sie diese Aufgabe mit ihrer Berufstätigkeit vereinbaren sollen? Das ist in vielen Fällen leichter, als man es sich vorstellt. Sprechen Sie Ihren Arbeitgeber, den Personalrat oder andere entsprechende betriebsinterne Stellen an – viele Unternehmen bieten mittlerweile spezielle Angebote zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Das neue Familienpflegezeitgesetz

Die Familienpflegezeit (seit Januar 2012) ermöglicht es Ihnen als pflegender Angehöriger, Pflege und Beruf besser zu vereinbaren. Die Familienpflegezeit sieht vor, dass Beschäftigte ihre Arbeitszeit über einen Zeitraum von maximal zwei Jahren auf bis zu 15 Stunden pro Woche reduzieren. Das Bruttogehalt wird in einem ersten Schritt entsprechend der reduzierten Arbeitsstunden gekürzt. Der Arbeitgeber stockt das Gehalt um die Hälfte der Kürzung auf. Wer also seine Arbeitszeit beispielsweise um 50 Prozent reduziert, erhält 75 Prozent seines Gehalts. Zum Ausgleich müssen sie im Anschluss an die Pflegephase wieder voll arbeiten, bekommen aber weiterhin nur 75 % des Gehalts, bis der Vorschuss ausgeglichen ist.

 

x Jahre

 

2 Jahre

 

2 Jahre (höchstens)

 
100% Stelle

Familienpflegezeit

50% Stelle

Nachpflegezeit

100% Stelle

neue Familienpflegezeit möglich
100% Bruttogehalt

75% Bruttogehalt der letzten zwölf Kalendermonate

75 % Bruttogehalt, solang bis das negative Wertguthaben ausgeglichen ist

 

Das Gesetz ist 2012 in Kraft getreten und beinhaltet leider keinen Rechtsanspruch. Die Aufstockung des Arbeitsentgelts während der Pflegephase kann sich der Arbeitgeber durch ein zinsloses Darlehen refinanzieren lassen. Weitere Informationen dazu erhält man beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben ( BAFzA ).

 

Alle weiteren Informationen zur Familienpflegzeit finden Sie unter www.familien-pflege-zeit.de .

Das Pflegezeitgesetz

Das Pflegezeitgesetz ist schon 2008 in Kraft getreten. Ziel der Pflegezeit ist es, Ihnen zu ermöglichen, sich für eine begrenzte Zeitdauer ohne Entgeltfortzahlung von der Arbeit freistellen zu lassen oder in Teilzeit zu arbeiten, um Ihre pflegebedürftigen Angehörigen zu betreuen und zu versorgen. Ihr Arbeitsverhältnis ist durch die Pflegezeit nicht gefährdet, jedoch wird in dieser Zeit kein Lohn gezahlt. Die maximale Pflegezeit beträgt sechs Monate, eine kurzfristige Freistellung von bis zu 10 Tagen ist ebenfalls im Gesetz festgeschrieben. Die Pflegezeit kann nur einmal pro pflegebedürftigem Angehörigen in Anspruch genommen werden.

 

Dauerhafte Reduzierung der Arbeitszeit oder Kündigung

Sollten Sie sich für eine dauerhafte Reduzierung Ihrer Arbeitszeit entscheiden, denken Sie daran, die Pflegekasse zu informieren. Wenn Sie weniger als 30 Stunden berufstätig sind und Hauptpflegeperson sind, sind Sie rentenversicherungspflichtig. Das kann in der Rentenversicherung einen kleinen Ausgleich schaffen für eine Einschränkung oder Aufgabe Ihrer Berufstätigkeit.

Sollten Sie jedoch zu der Entscheidung gelangen, die Berufstätigkeit vollständig aufzugeben, setzen Sie sich vor der Kündigung Ihres Arbeitsplatzes unbedingt mit der Arbeitsagentur (früher: Arbeitsamt) in Verbindung.

Lassen Sie sich beraten, inwieweit Sie während und nach Beendigung der Pflege Anspruch auf Arbeitslosengeld 1 oder Arbeitslosengeld 2 haben. Auch kann die Kündigung des Arbeitsplatzes Auswirkungen auf Ihre Krankenversicherung haben. Im ungünstigsten Fall müssen Sie Ihre Krankenversicherungsbeiträge aus eigenen Mitteln tragen, daher ist ein Beratungsgespräch im Vorfeld einer Kündigung äußerst wichtig.

Pflegende Angehörige können sich freiwillig in der Arbeitslosenversicherung weiterversichern. Fragen Sie auch dazu die Arbeitsagentur.